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A TRIP TO IBOLAND

Schlussworte

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Jeder Mensch wird in seinem Leben mit unzähligen Vorurteilen konfrontiert und zwar immer dann, wenn die Urteile anderer angenommen wurden, ohne das dazu eigene Erfahrungen gemacht wurden.

In der Natur des Menschen wiederum liegt es, nach der Bestätigung seiner Meinung zu suchen. Hat jemand eine Meinung, wird er Erfahrungen, welche diese stützen mehr Beachtung schenken, als gegenteiligen Erfahrungen. Bei Vorurteilen ist es genauso, schließlich sind sie nur Meinungen, die man von anderen übernommen hat. Wenn man also hört, das Person A gerne viel Kaffee trinkt, neigt man dazu, diese Meinung anzunehmen, wenn man sieht wie Person A einen Kaffee trinkt. In diesem Beispiel mag es noch harmlos wirken. Kritisch werden Vorurteile aber, wenn sie sich auf eine Gruppe von Menschen beziehen. Der Mensch ist jedoch ein Individuum. Auch wenn man ihn anhand bestimmter verbindener Merkmale einer Gruppe zuordnen kann, ist und bleibt er einmalig. Ein Urteil über eine Gruppe wird demnach nie dem Individuum gerecht - ein Vorurteil schon gar nicht.

Erfahrungen zu kategorisieren und gedanklich in Schubladen abzulegen, liegt jedoch in der Natur des Menschen und ist nicht zuletzt auch ein Merkmal, das uns von den Tieren unterscheidet. So bleibt kein Mensch davor verschont, in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden. Und nicht selten macht man es sich dabei einfach, indem man das Schubladendenken anderer übernimmt.

Mir ist durchaus klar, dass ich mit diesem Bericht über meine Erfahrungen in Nigeria bzw. Iboland, dazu beitrage, dass neue Vorurteile entstehen. Deswegen erscheint es mir wichtig darauf hinzuweisen. Mein Bericht entstand aus persönlichen Erfahrungen und hat keinen Anspruch auf Objektivität und Vollständigkeit. Selbstverständlich habe ich dort noch mehr Erfahrungen gemacht, die ich jedoch nicht alle veröffentlichen werde. Vielmehr möchte ich noch ein paar allgemeine Punkte, die mir wichtig erscheinen, festhalten:

Man stelle sich vor, in die Nachbarwohnung zieht eine ausländische Familie ein. Die Familie scheint recht nett, macht aber den ganzen Tag über einen Höllenlärm. Ist man dadurch nicht verleitet, zu denken, dass die Menschen aus diesem Land ein sehr lautes Leben führen? Worauf stützt man aber dieses Urteil? Doch nur auf die Tatsache, dass sie eine andere Nationalität haben und lauter sind. Wer sagt aber, dass die Familie ihren früheren Nachbarn, als sie noch in ihrem Heimatland lebte, nicht auch schon zu laut gewesen ist? Womöglich hatte sie aus diesem Grunde sogar Ärger und ist deshalb umgezogen? Es ist halt so schön einfach die Familie in die erstbeste Schublade zu stecken - die Schublade, die am offensichtlichsten ist. Afrikaner stecken wir meist in die Schublade für "Schwarze". Während Afrikaner wiederum die Schublade "Weiße" für uns haben. Es gibt aber in jedem Land laute, unhöfliche, dreckige oder kriminelle Menschen.

Besonders im Ausland hat man es oft mit einem Milieu zu tun, in dem man in seiner Heimat nicht verkehrt. Ist man Praktikant, so ist man in seinem Praktikumsbetrieb nicht mehr unter Studenten, sondern unter Werktätigen, die vielleicht gar selbst schon Kinder haben, die studieren. Ist man Tourist, hält man sich meist in Touristenregionen auf, die man in seiner Heimatstadt womöglich meidet. Im Theater begegnet man anderen Menschen als in der Disko. All das kann unterschiedliche Erlebnisse und Meinungen erzeugen. Und wenn jemand über seine Erlebnisse berichtet, so sind sie ein Ausschnitt aus seiner Weltsicht, der wiederum nur ein klitzekleiner Ausschnitt der tatsächlichen Wirklichkeit ist. Versucht man allerdings mal die Menschen unvoreingenommen zu betrachten, kann man feststellen, dass sie so verschieden gar nicht sind. Und betrachtet man den Kontext ihres Handelns, so kann man womöglich feststellen, dass man unter gleichen Umständen genauso handeln würde...